Liest man die Kommentare des Chefreporters der TA, kann man leicht verstehen, warum gewisse Presse gerne einmal als Systempresse bezeichnet wird. Zwar bietet der Bereich der Kommentare, in der TA unter Leitartikel bekannt, den Redakteuren die Möglichkeit einer persönlichen Stellungnahme. Wenn der Chefreporter aber regelmäßig gegen die AfD wettert (oder soll man sagen: hetzt), kann man schon einmal die politische Objektivität einer „unabhängigen Zeitung für Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport“ hinterfragen. In seinem heutigen Leitartikel analysiert Herr D. die verzwickte politische Lage in Thüringen und findet hierfür auch wieder schnell mal einen Schuldigen: die AfD. Die AfD – so jedenfalls vermittelt es die auch hier so genannte „Systempresse“ – ist immer an allem schuld: an Hass, Gewalt, Hetze, an Amokläufen, an politischen Morden, an abgesagten Landtagswahlen und nun – nach Herrn Chefreporter – auch an der „Selbstblockade“ der anderen Thüringer Fraktionen. Es macht die Welt einfacher, wenn man immer EINEN Schuldigen findet (und auch, wenn man womöglich scheinbar einseitig ideologisch verblendet ist). Obwohl Herr D. in diesem Artikel auch selbst zugibt, dass er langsam den Überblick (oder soll man vielleicht Einblick sagen) verliert. Was auch fast nie fehlen darf, so auch in diesem Fall, ist die eindringliche Warnung vor der angeblich „extremistischen“ und „gefährlichen“ Partei AfD, die mutmaßlich Thüringen und Deutschland in den Untergang führen will. Wäre jener Chefreporter der TA noch Reporter des Vorgängerpresseorgans „Das Volk“ gewesen, hätte er sicherlich gegen den bösen Westen gewettert, der natürlich schuld an allem Übel der Welt sein muss. Also müssen die Leser wieder zwischen den Zeilen lesen, so wie früher in der DDR, als die selbst ernannten Demokraten die wahren Antidemokraten waren.

Quelle: TA, 21.07.2021