Noch im Januar konnten die Krankenkassen auf ein komfortables Finanzpolster zurückblicken. Wenige Monate später schlägt der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Alarm: Einige Krankenkassen stehen vor massiven Liquiditätsproblemen, einigen droht sogar die Pleite. Der Spitzenverband der GKV warnte bereits im Mai, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Versicherten von 1,1 % auf bis zu 2,2 % steigen müsste – falls nicht der Bund in die Bresche springt. Im Rahmen des Konjunkturprogrammes fließt für das laufende Jahr nun ein Zuschuss von 3,5 Milliarden Euro an die gesetzlichen Versicherungen. Ob das langfristig reichen wird, ist fraglich. Durch die Pandemie und die von der Politik eingeleiteten Maßnahmen sind neue Ausgabenrisiken entstanden und die Einnahmen wegen Kurzarbeit, steigender Arbeitslosigkeit und Beitragsstundungen angeschlagener Unternehmen rückläufig. Bis die Lohnentwicklung sich wieder erholt, wird es wohl noch lange dauern. Dabei ist die plötzliche finanzielle Schieflage der Krankenkassen nicht nur auf die Folgen der Corona-Krise zurückzuführen, sondern in den vergangenen Jahren brauchte der Gesundheitsminister Spahn (CDU) einige kostspielige Gesetze auf den Weg. Noch werden Erhöhungen der Krankenkassenbeiträge von der Politik vehement zurückgewiesen. Aber die Lage der Krankenkassen ist brisant. Springt der Bund erneut finanziell ein, bleiben möglicherweise die Krankenkassenbeiträge (vorerst) stabil. Aber dann wäre der Steuerzahler gefordert. Die Zeche zahlen also im Endeffekt immer wir, ob als Beitragszahler oder als Steuerzahler. Hier sind also dringend neue politische Alternativlösungen erforderlich. (Quellen: TA, 13.06.20; www.handelsblatt.com, 08.05.2020)