Auch am Wochenende waren wieder tausende Menschen in ganz Deutschland auf der Straße, um gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung zu protestieren. Hier entwickelt sich offenbar eine neue große Protestbewegung. Und damit im unmittelbaren Zusammenhang meldet sich der Verfassungsschutz und warnt davor, dass Rechtsextremisten die Demonstrationen unterwanderten und instrumentalisierten. Der Thüringer Verfassungsschutzchef Kramer sieht sogar „deutlich konkretere Ansätze für eine völkisch-nationale Revolution“. Doch wer protestiert hier wirklich? Die Anti-Corona-Demonstrationen stellen keineswegs einen Aufmarsch von umstürzlerischen Rechten dar. Hier versammelt sich ein breit gestreutes Teilnehmerfeld unterschiedlicher Menschen. Nämlich solche, die sich durch die Corona-Maßnahmen in ihren Grundrechten eingeschränkt sehen und die in ihrer Existenz bedroht sind. Hier „spazieren“ zum Beispiel Wähler der Linke neben AfD-Wählern, denen gemein ist, dass sie skeptisch gegenüber den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Corona-Virus sind und die Maßnahmen dagegen, nämlich die Einschränkungen der Grundrechte, ungerechtfertigt sehen. Mitunter treibt sie auch die pure Existenzangst auf die Straße. Wenn die derzeit Regierenden die Demonstrationsteilnehmer kollektiv in die rechte Ecke stellen wollen, offenbaren sie nur ihre Angst vor der „Macht der Straße“. Die Vergangenheit zeigt, welche Dynamik sich hieraus entwickeln kann. Und nicht zuletzt fürchten sie um Wählerstimmen. Im nächsten Jahr finden in Thüringen Landtags- und Bundestagswahlen statt und Corona wird es auch dann noch geben. Das sollte zu denken geben.

Quellen: TA, 18.05.2020; mdr.de, 18.05.20; wdr.de, 11.05.20