In den Kliniken werden Betten frei gehalten, nicht lebensnotwendige Operationen verschoben, Früherkennungsprogramme zusammengestrichen. Und auch manche Spezialuntersuchungen bei Krebserkrankungen sind zum Opfer der Anti-Corona-Maßnahmen gefallen. Eine britische Studie zeigt jetzt, dass die Maßnahmen gegen Corona sich negativ auf Patienten mit Krebs und andere Erkrankungen auswirken können. Infolge der zurückgegangenen Diagnostik und Behandlungen könnte in Großbritannien in den kommenden 12 Monaten rund 20 Prozent mehr neu diagnostizierte Krebspatienten sterben als sonst in diesem Zeitraum. Auch in Deutschland warnen Ärzte und Wissenschaftler vor einer „Bugwelle an zu spät diagnostizierten Krebsfällen“. Zwar äußerten sie sich nicht zu möglichen steigenden Zahlen an Krebsfällen, sehen aber durchaus negative Auswirkungen für Krebspatienten. Michale Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ, warnt deshalb: „Ein Aussetzen von Früherkennungs- und Abklärungsmaßnahmen ist nur über einen kurzen Zeitraum tolerierbar, sonst werden Tumoren möglicherweise erst in einem fortgeschrittenen Stadium mit dann schlechterer Prognose erkannt.“ Die britische Studie zeigt allein die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf Krebspatienten. Und es gibt noch weitere Personengruppen, etwa Menschen mit psychischen Erkrankungen, auf die die Maßnahmen gegen Corona maßgeblich negative Auswirkungen haben können. Deshalb ist es unabdingbar, „normale“ Verhältnisse im medizinischen Bereich wieder herzustellen, ansonsten werden die Maßnahmen gegen das Virus womöglich mehr Todesopfer fordern als das Virus selbst!

Quelle: www.aerzteblatt.de, 24.04.2020 und 30.04.2020