In den Medien werden oft die Solidarität und der Zusammenhalt in der Gesellschaft während der Corona-Krise beschworen. Corona befördert aber auch eine andere, dunkle Seite der Menschen ans Licht: Wer sich nicht folgsam an die Beschränkungen hält, muss nicht allein die Polizei befürchten. Auch in Thüringen verzeichnet die Polizei zunehmend Anrufe, die tatsächliche oder vermeintliche Verstöße gegen die Corona-Regeln anzeigen. (TA, 01.04.20) Unterstützt wird dieses Vorgehen zum Teil auch durch einzelne Politiker. So findet der grüne Ministerpräsident Kretschmann das Melden von Corona-Verstößen für sinnvoll. Oder CDU-Minister Strobl ermuntert gerade dazu, Verstöße gegen Corona-Auflagen zu melden. (www.sueddeutsche.de, 31.03.20). Aber nicht immer sind Anzeigen gegen Verstöße gegen Corona-Auflagen Ausdruck wohlgemeinter sozialer Kontrolle (wobei auch dies durchaus diskutabel ist). Die Corona-Beschränkungen schaffen Möglichkeiten, persönliche Rechnungen zu begleichen. Die Fälle häufen sich, in denen die Auflagen zum Anlass genommen werden, um Leute zu denunzieren, d.h. aus niedrigen persönlichen Gründen anzuzeigen. (www.spiegel.de, 01.04.20) Zunehmende Denunziationsbereitschaft vergiftet das soziale Klima und Politiker heizen dieses Denunziatentum weiter an. Der Pfad zwischen wohlgemeinter sozialer Kontrolle und Denunziation ist schmal. Die Aufgabe der Politik in Krisenzeiten sollte es sein, den sozialen Frieden aufrechtzuerhalten und nicht Unfrieden zu stiften!
Deshalb bleibt trotz der sehr angespannten Lage etwas entspannt, denn nur gemeinsam kommen wir aus dieser verfahrenen Situation wieder heraus. Da helfen gegenseitige Anzeigen nicht wirklich, zuerst sollte das Gespräch gesucht werden. Auch wenn jetzt das rote Ministerium in Erfurt gerade den neuen Bußgeldkatalog in Sachen Corona erstellt hat. Leben und leben lassen.